| 26. 11. 2004 |
Freitag, Melbourne Morgen früh soll es los gehen. Mandip, Saeed, Monireh, Jürgen und ich fahren nach Canberra zum Summer School und anschließend nach Kioloa zur ACQAO Workshop. Statt Flügen haben wir uns jedoch entschieden, ein Auto zu mieten und damit die Strecke von etwa 2000km (Hin- und Rückweg) zu meistern. Jürgen und ich werden uns mit dem Fahren abwechseln. Auch die Strecke steht schon fest: von Melbourne über den Hume Highway nach Albury, von da durch die Snowy Mountains. Übernachten in Tredbo oder Jindabyne und Sonntag Abend Ankunft in Canberra. Dort werden wir die Quantum-Atom Optics Summer School besuchen, um dann am Samstag früh nach Sydney zu fahren und den Tag dort zu verbringen. Irgendwo übernachten und am Sonntag sehr früh los nach Kioloa, wo um halb drei der erste (und wichtigste) Vortrag von Bill Phillips statt findet. Der Workshop geht bis Dienstag, Mittwoch dann über den Princess Highway zurück nach Melbourne. Die Strecke wird vermutlich der größte Brocken für einen Tag. Das Auto steht ab morgen neun Uhr für uns bereit. Doch der erste grosse Brocken kommt schon heute: Mandip bekommt kurzfristig von seinem Vermieter mitgeteilt, dass er doch bitte bis Ende des Monats seine Wohnung verlassen möchte. Ergo: morgen! Naja, wir haben ja morgen ein großes Auto. |
| 27. 11. 2004 |
Samstag, neun Uhr früh, Melbourne. Jürgen und ich stehen bei Budget und holen das Auto ab. Gebucht war es auf meine Kreditkarte, sollte aber von der (Canberra-) Uni-Kreditkarte abgebucht werden. Nach kurzem Disput hat dann auch der nette Herr am Schalter kapiert, dass die Sekretärin nicht extra nach Melbourne kommen würde, um hier persönlich die Kreditkarte vorzulegen. Und siehe da, wenn man einmal nachschaut, dann findet man auch das Fax, in dem sie die Abbuchung erlaubt. Frage: Fahrer. Ich hole also meinen (neuen, Scheckkarten-) Führerschein nebst International Drivers Permit aus der Tasche, Jürgen lediglich seinen roten Lappen. Ein zweiter Fahrer hätte uns ca. AU$ 40 gekostet, die haben wir so erstmal gespart. Außerdem gab es keinen Streit, wer von uns die schöne Serpentinenstrecke in den Snowy Mountains fahren würde. Der Wagen war allererste Sahne. Tachostand: 12,7 km, Allrad, Klimaautomatik, Tempomat, CD Spieler und vermutlich deutlich mehr als 150 Pferde. Danach wurde noch Mandips Zeug zu Jürgen gebracht, und, wo wir gerade dabei waren, noch ein paar Koffer von Saeeds Freunden ein paar Häuserblocks verfrachtet. Dann waren wir endlich auf dem Weg. Naja, mehr oder weniger. Das erste mal haben wir uns in Melbourne verfahren. Den Hume Highway kann man getrost abhaken, eine Autobahn, auf der man nicht viel sehen kann. Nicht einmal Kängurus, die Jürgen Saeed und Mandip so sehr versprochen hatte. Ich hatte mich aus Erfahrung aus diesem Versprechen zurückgezogen, als Saeed und Mandip es auf lebende Kängurus einschränken und überfahrene Kadaver am Straßenrand nicht akzeptieren wollten. Danach kam sicherlich der reizvollste Teil der Fahrt, die Snowy Mountains. Um einigen Mägen ein wenig Ruhe zu gönnen, aber vor allem wegen der häufig tollen Aussicht haben wir hier viele Stopps gemacht. Der endgütige Stopp kam dann in Tredbo, wo wir uns in der Jugendherberge einnisteten. Tredbo ist ein Skiort, und definitiv alpin gepräget. So alpin, dass der nette Herr, der uns den Weg zur Jugendherberge zeigte, plötzlich mit einem anderen auf schweizerdeutsch redete. In der Jugendherberge, in der wir erstmal erklären mussten, warum ein Inder, zwei Iraner und zwei Deutsche zusammen reisen, haben wir es uns dann wohnlich gemacht und sind anschließend auf Essenssuche gegangen. Hätten wir die Reienfolge vertauscht, wäre es uns vermutlich auch gelungen. So aber waren alle Resaurants, Bars und Imbisse schon geschlossen. Out of Season halt. Unser reichhaltiges Abendbrot bestand also aus einer Packung Chips und Cola. |
| 28. 11. 2004 |
Sonntag, Tredbo. Nach einem ausgiebigen Früstück und einer kurzen Sommer-Rodel-Partie ging es weiter Richtung Canberra. Bei einem Zwischenstopp in Jindabyne nutzten Jürgen und ich die Gelegenheit, ein wenig im dortigen (zugegeben: Sehr kalten) See zu schwimmen. In Canberra angekommen (und immer noch keine lebenden Kängurus gesehen) ging es erstmal zum Parlamentsgebäude. Ich hatte das zwar schon vor vier Jahren betrachtet, aber die anderen vier noch nicht, und einmal sollte man es schon gesehen haben, wenn man schon in Canberra ist. Danach ging es zur Australian National University, kurz ANU, in dem wir in irgendeinem Haus einquartiert waren. Nur hatten wir alle vergessen, das Schreiben mitzunehmen, in dem stand, wo auf dem riesigen Areal wir untergebracht waren. Erstmal zum University House, wo man aber von uns nichts wusste. Der Name "Bruce Hall" schien bei Jürgen irgendwas auszulösen, also sind wir da hin. Da war aber keiner. Auf dem Weg war Saeed aber die Ursula Hall aufgefallen, deren Name ihm wiederum was sagte. Also dorthin. Und tatsächlich trafen wir dort auch eine junge Dame, die uns sehr hilfsbereit, aber auch sehr unwissend zur Seite stand. Immerhin konnte sie uns dann einen Computer zur Verfügung stellen, mit dem wir unsere emails nochmals lesen konnten. Und nach langem Suchen fanden wir auch den wichtigen Hinweis: Bruce Hall. Nun kam uns allen der Name inzwischen bekannt vor, und wir begaben uns wieder dort hin. Und tatsächlich, in der Zwischenzeit war auch eine grosse Schar anderer Teilnehmer eingetroffen. |
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29. 11. - 3. 12. 2004 |
Summer School, Canberra. Ich kürze die Woche mal etwas ab, das meiste waren Vorlesungen. Am ersten Abend war ich mit anderen in einen Pub gegangen. Als der Wirt dann zur "last order" rief, dachte ich mir zunächst nichts dabei, bis ich dann auf die Uhr schaute: 21:15. In Deutschland würde sich nichtmal ein Dorfwirt trauen, seine Kneipe um halb 10 zu schließen, oder irre ich mich? Aber wir sind ja in der Hauptstadt von Australien. Da muss man natürlich andere Maßstäbe ansetzen. Vom sogenannten Telstra-Tower machten wir ein ums andere Mal rundum-Aufnahmen, nur um dann festzustellen, dass es noch ein Stockwerk darüber gab, von dem aus sich noch bessere Fotos machen ließen. Der Telstra-Tower ist übrigens gar nicht wirklich hoch, er ist nur auf dem höchsten Berg von Canberra. Jürgen schaffte es auch noch zur deutschen Botschaft, wo er einer beglaubigte Übersetzung seines Führerscheins erhielt. Damit ging er anschließend zu einem lokalen Budget-Filiale und meldete sich als zweit-Fahrer an. Interessanterweise wollten sie ihm dafür kein Geld abknöpfen, worauf Jürgen natürlich auch nicht bestehen wollte. Ab jetzt war leider mein Sonderstatus dahin... Ein Wort noch zum Essen: drei warme Mahlzeiten täglich, alle inklusive reichhaltigem Salat- und Obst-Büffet, und alles wurde von der ANU bezahlt... |
| 4. 12. 2004 |
Samstag, Canberra. Da wir nur diesen einen Tag in Sydney hatten, haben wir uns extra früh verabredet. Nur sollte man beim Verabreden nicht nur eine Zeit, sondern auch einen Ort ausmachen. So warteten Jürgen und ich am Früstückstisch, Monireh, Saeed und Mandip am Auto. Nach einem ruhigen Trip nach Sydney (keine Kängurus) und einem Kampf mit einem Mautautomaten (es wurde vorher deutlich angekuendigt, dass der Automat nur Münzen und nur abgezähltes Geld akzeptieren würde, aber dass er keine 5 Ct Münzen akzeptiert, stand erst am Automaten) kamen wir am Opera House an. Die Parkpreise im dortigen Parkhaus waren exorbitant (AU$ 39 für einen Tag), aber wir hatten mehr Geld als Zeit. Zunächst ein Mittagessen an der Oper, dann eine zweieinhalbstündige Hafenrundfart, ein kurzer Spaziergang zur Harbour Bridge und schließlich zwei Runden mit der Monorail. Während der Hafenrundfahrt änderte sich leider das Wetter von warm und bewölkt zu sonnig und brennend. Und ich hatte meine Sonnencreme im Auto gelassen. Nach unserer Ankunft in der Jugendherberge trafen wir uns noch mit einem Freund von Jürgen sowie dessen Bekannten und gingen in einen Pub. Doch da wir am nächsten Morgen früh los wollten, blieben wir nur bis zwei Uhr morgens. |
| 5. 12. 2004 |
Sonntag, Sydney Der Morgen drehte sich vor allem um Jürgen, der das mit 8 Uhr Abfahrt ernst gemeint hatte und Saeed und Monireh, die um 8:30 in aller Ruhe mit dem Frühstück begannen. Das Verlassen von Sydney gestaltete sich etwas schwieriger als die Ankunft, da unsere Auffahrt gesperrt und unsere Kartensammlung von Sydney nicht gerade umfangreich war (und nur den innersten Kern umfasste). Unter anderem brachte mir ein Wendemanöver (obwohl ich mir keiner Schuld bewusst bin) den Kommentar eines anderen Fahrers ein: "If the camera caught you, it's 250 bucks." Ich glaube (hoffe) aber nicht, dass da noch was kommt. Wir schafften es dann doch noch rechtzeitig nach Kioloa (keine Kängurus). Die ANU unterhält dort ein Grundstück mit mehreren Hütten verschiedener Qualität. Die besten waren natürlich für die Professoren, wir Studenten bekamen die Bruchbuden. Während ich damit kein Problem hatte, störte sich Monireh doch ein wenig am "modrigen Geruch". Zum Scherz meinte ich, ich hätte ja noch mein Zelt dabei. 20 Minuten später war es aufgebaut. Und Kängurus gab es hier jede Menge... |
| 6. 12. 2004 |
Montag, Kioloa. Professoren und Organisatoren sind auch Menschen. Nach dem letzten Vortrag des Vormittags stand der Leiter auf und verkündete: "Die nächste Veranstaltung beginnt dann um zwei - (pause) - am Strand." Das Gelände verfügt über einen eigenen Strand mit Sand, der so fein ist, dass er zwischen den Füssen quitscht. Nach dem Baden zog ich mir eine frische Hose an. Das betone ich hier so besonders, weil noch am gleichen Abend Jürgen eine halbe Flasche Cola und ich selber am nächsten Morgen eine Tasse Tee (mit viel Zucker) darüber verschüttete. |
| 7. 12. 2004 |
Dienstag, Kioloa. Dieser Tag war der Tag, vor dem ich mich am meisten gefürchtet hatte. Ich sollte das erste mal ein eigenes Poster präsentieren. Ich gebe lieber einen Vortrag, bei dem ich bestimme, was gesagt wird, dann sind auch die Fragen nicht ganz so unberechenbar. Aber irgendwie habe ich mich dann doch ganz gut durchgemogelt. |
| 8. 12. 2004 |
Mittwoch, immer noch Kioloa. Irgendwie haben wir es doch geschafft, um 6:15 (also nur eine viertel Stunde später als geplant) loszufahren. Wir wollten extra früh los, weil wir neben 12 Stunden Fahrzeit auch noch ca. 4 Stunden Pausen eingeplant hatten. Aber Petrus meinte dann wohl, dass wir doch lieber durchfahren sollten und schickte uns einen Regen, wie ich ihn selten erlebt habe. Auf jeden Fall war unsere Lust auf Pausen äusserst begrenzt. Oder auf Kängurus suchen. Erst gegen nachmittag, wir waren schon in Lakes Entrance, dreieinhalb Autostunden vor Melbourne, lichtete sich der Regen und wir machten eine Pause am Strand. Jürgen ging sogar baden. (Als ob er das nicht schon den ganzen Tag über hätte machen können. Auf jeden Fall waren wir um 7 Uhr abends wieder zurück. |
| Nachtrag | Um es noch ein wenig teurer zu machen, hatte wohl irgendwo zwischen Tredbo und Kioloa jemand seine Autotür in unseren Lack gerammt. Budget wollte dafür von uns 90 australische Dollar. |